Geschichte Derendingens

Ein Dorf am Rand von Rammert, Steinlach und Neckartal: früh besiedelt, kirchlich geprägt, von Familien getragen und über seine Menschen bis nach Slowenien, Ostafrika, Osteuropa und Amerika verbunden.

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So könnte Derendingen um 1910 ausgesehen haben: eine KI-Rekonstruktion auf Grundlage historischer Fotos, Postkarten und Luftaufnahmen – keine echte Aufnahme. Video © 2026 Reiner Krapf, lizenziert unter CC BY-SA 3.0.

Derendingen in einem Zug

Derendingen ist heute der südlichste Stadtteil Tübingens, doch seine Geschichte ist älter als die Stadtgestalt vermuten lässt. Alamannische Funde aus dem 7. Jahrhundert und die frühen Kirchenspuren um St. Gallus zeigen, dass hier lange vor der ersten Urkunde Menschen lebten, beteten, arbeiteten und ihre Toten bestatteten. 1089 erscheint der Ort in der Zwiefalter Überlieferung als Darodingen, Taredingin oder Tarodingin. Später teilten sich Kloster Zwiefalten, die Pfalzgrafen von Tübingen und Württemberg den Einfluss.

Das Dorf wuchs als Straßendorf entlang der heutigen Sieben-Höfe-Straße. Die St.-Gallus-Kirche wurde zum geistlichen Gedächtnisort: zuerst als frühe Kirche, später als spätgotischer Bau, nach Brand und Wiederaufbau, und im 16. Jahrhundert als Wirkungsstätte von Primus Truber. Der slowenische Reformator starb 1586 in Derendingen; Johann Ludwig Krapf wurde 1810 hier geboren und trug den Namen des Ortes als Missionar, Sprachforscher und Afrikareisender weit hinaus.

Mit Bahnanschluss, Eingemeindung nach Tübingen, Schul- und Wohngebieten wandelte sich Derendingen vom eigenständigen Dorf zum urbanen Stadtteil. Geblieben sind Spuren: Kirche, Rathaus, Bläsibad, Bahnhof, Denkmäler, Familiennamen und Erinnerungen. Die Krapf-Stammbaumdatei zeigt, wie sich über Jahrhunderte Namen wie Krapf, Mozer, Buck, Röhm, Härter, Laupp und viele andere verdichten, verschwinden, wiederkehren und in Auswanderungslinien nach Amerika und Osteuropa ausgreifen.

Orte, die erzählen

St.-Gallus-Kirche Derendingenheute

St. Gallus

Frühe Kirchenspuren, Neubau nach dem Brand von 1560 und ein Erinnerungsort für Primus Truber.

Historische Postkarte: Erntearbeit auf dem Feld vor der St.-Gallus-Kirche, um 1935um 1935

Bei der Renovierung 1979 kamen Mauerreste einer Kirche aus dem 7. oder 8. Jahrhundert zutage. Nach dem Brand vom 8. Dezember 1560 wurde das Gotteshaus 1561 bis 1563 neu errichtet.

Von 1567 bis zu seinem Tod 1586 war der slowenische Reformator Primus Truber hier Pfarrer; eine Platte im Kirchenraum trägt die Inschrift „Hier ruht Primus Truber“. Beim Luftangriff vom 19. Oktober 1944 riss die Druckwelle das Dach ab und drückte die Fenster ein, Orgel und Uhr wurden schwer beschädigt. Große Renovierungen folgten 1899/1900 und 1979 bis 1981.

Bild: Postkarte „Feldarbeiten bei der Kirche“, Gebr. Metz, um 1935 (CC BY-SA 3.0)

Evangelischer Pfarrhof Derendingenheute

Pfarrhof

Pfarrhaus, Scheune, Waschhaus und Garten zeigen, wie eng Kirche, Alltag und Versorgung verbunden waren.

Das Pfarrhaus entstand 1797 nach einem Entwurf des Oberweginspektors Johann Adam Groß III., das Waschhaus um 1800, die Fachwerk-Pfarrscheune 1817 nach Plänen von Johann August von Bruckmann. Hofraum und ummauerter Pfarrgarten gehören dazu; das Ensemble Sieben-Höfe-Straße 123 bis 125 ist Kulturdenkmal.

Patron der Pfarrei war seit 1441 das Tübinger Spital, das 1867 auch das Pfarrhaus zu unterhalten hatte. So dokumentiert der Pfarrhof Wohnen, Arbeiten und Versorgung der Pfarrfamilien seit dem späten 18. Jahrhundert.

Ehemalige Zehntscheune Sieben-Höfe-Straße 147 in Derendingenheute

Zehntscheunen

Die alten Speicherbauten erinnern an Naturalabgaben, geteilte Herrschaft und die Wirtschaftsordnung des Dorfes.

Die Scheune Sieben-Höfe-Straße 147 (im Bild) stammt nach dendrochronologischer Untersuchung von 1499/1500; ihr Fachwerk wurde 1831 bis 1837 erneuert. Hier lagerten die Naturalabgaben der Bauern.

Derendingen war bis 1750 geteilt: Eine Hälfte gehörte seit etwa 1089 dem Kloster Zwiefalten und blieb katholisch, die andere kam 1342 an Württemberg und wurde 1534 evangelisch. Die Zwiefalter Zehntscheune an der Danziger Straße trägt die Jahreszahl 1483. Abgelöst wurden die Zehnten zwischen 1842 und 1854.

Die Gebäude der Alten Mühle an der Sieben-Höfe-Straße, heute Kinderhausheute

Alte Mühle am Mühlbach

Seit dem Mittelalter drehte sich hier das Rad der Dorfmühle – zum Mahlen, Sägen und später sogar für Strom. Heute ein Kinderhaus.

Der Mühlbach stürzt an der Alten Mühle über eine GefällstufeMühlbach

Schon 1340 werden der Mühlbach und die Dorfmühle beim Rathaus erwähnt. 1867 zählte die Mühle drei Mahlgänge, einen Gerbgang zum Entspelzen des Dinkels und eine Säge. Sie gehörte den Müllerfamilien Stengel und Hauser; 1854 klagten Anlieger wegen überschwemmter Wiesen.

Ab etwa 1904 erzeugte Müller H. Stengel mit der Wasserkraft Strom und versorgte die Gemeinde bis 1920. 1989–1992 wurde sie zum Kinderhaus umgebaut. Auch ein Krapf war Müller: Wilhelm Krapf (1851–1920) arbeitete in Derendingen, bevor er 1877 die untere Mühle in Nordheim übernahm.

Bild: Die Gefällstufe am Mühlbach, an der einst das Mühlrad lief (Giftzwerg 88, 2024, CC BY-SA 4.0)

Der hohe Backsteinkamin der ehemaligen Ölmühle Wohlbold zwischen Wohnhäusernheute

Ölmühle Wohlbold

Von 1829 bis 2013 wurde hier am Mühlbach Öl gepresst. Der hohe Backsteinkamin erinnert an Derendingens Weg ins Industriezeitalter.

Historische Farbpostkarte: Vogelschau über Derendingen nach Süden mit Fabrikschloten an der Bahn, um 1912um 1912

1829 kam der Schreiner und Ölmüller Johannes Wohlbold (1779–1852) aus Gärtringen nach Derendingen; die Stadt nennt schon 1815. Der Mühlbach trieb die Mühle oberhalb des Dorfes an; 1876 hieß sie „Öl- und Gipsmühle“ – gemahlener Gips diente den Bauern als Dünger.

Ab 1865 liefen Dampfmaschinen, daher der Kamin. Zuletzt raffinierte die Firma J. Wohlbold Nachf. Speiseöl, 2013 schloss sie. Ab 2016 entstand rundherum das Wohnquartier „Ölmühle“, der Kamin und einige Fabrikgebäude blieben stehen.

Bild: Postkarte „Derendingen. Vogelschau nach Süden“, J. Hansis/Gebr. Metz, um 1912 (gemeinfrei) – an der Bahn die Fabrikschlote am Mühlbach.

Gasthaus Zum Ochsen in Derendingenheute

Gasthaus Zum Ochsen

Ein Ort des geselligen Lebens mit Wirtshaustradition seit dem 16. Jahrhundert, Neubau nach dem Brand von 1912 und Saalanbau von 1927.

Historische Postkarte: der alte Ochsen mit Metzgerei, davor ein Ochsengespann, 19071907

Schon der Vorgängerbau war ein Wirtshaus; die Tradition reicht laut Denkmalpflege bis ins 16. Jahrhundert. Über Generationen führte die Familie Röhm den Ochsen; 1907 gehörte er Wilhelm Röhm, im Erdgeschoss lagen Metzgerei und Stall, die Gaststube im ersten Stock.

Am 7. Oktober 1912 brannte das Haus ab; Anfang 1913 eröffnete der Neubau nach Plänen des Tübinger Architekten Franz Bärtle. 1921 kam der Zwillingsgiebel hinzu, 1927 der Saalanbau mit Zollinger-Lamellendach. Bis in die 1960er-Jahre war der Ochsen Treffpunkt für Feste, Tanz und Vereine.

Bild: Postkarte „Gasthaus u. Metzgerei zum Ochsen“, Verlag H. Sting, 1907 (gemeinfrei) – dieses Haus brannte 1912 ab.

Historische Postkarte: Gasthaus zum Lamm in Derendingen mit Pferdefuhrwerk, um 1918um 1918

Gasthaus zum Lamm

Hier wurde 1877 die Studentenverbindung Derendingia gegründet, 1911 die Musikkapelle. Das Haus ist verschwunden, der Name Lammgarten blieb.

Das Lamm stand im alten Ortskern an der Sieben-Höfe-Straße beim Schulhaus. Schon 1822 ist ein Lammwirt Röhm belegt, von den 1840er-Jahren an Lammwirt Pfeffer.

Am 21. April 1877 gründeten hier zwölf Studenten die Burschenschaft Derendingia, um am Festzug zum 400-jährigen Bestehen der Universität teilnehmen zu können. Am 8. März 1911 entstand im Lamm die Musikkapelle Derendingen. Zuletzt nennt das Adressbuch 1914 Albert Röhm als Wirt; ab 1919 fehlt das Lamm. Heute erinnern die Namen „Lammgarten“ und „Lammwiese“ an den Wirtsgarten.

Das ehemalige Brauereigebäude am Waldhörnle mit dem Schriftzug „Sudhaus“2019

Waldhörnle

Seit 1807 Gasthof an der Straße nach Hechingen, bald mit Brauerei und Fechtboden der Studenten – heute Biergarten und Sudhaus.

Historische Farbpostkarte: Bierbrauerei und Gasthaus zum Waldhörnle mit Kutschen und Radfahrern, 19031903

Der Derendinger Ochsenwirt Johann Jakob Röhm erwarb 1800 Land an der Straße nach Hechingen; sein Sohn eröffnete 1807 das Waldhörnle, um 1815/17 kam eine Brauerei dazu. Franz Bachner baute sie ab 1852 aus und 1900 ging sie an die Vereinigten Brauereien Stuttgart-Tübingen.

Von 1888 bis 1935 fochten Tübinger Corpsstudenten hier ihre verbotenen Mensuren. Nach dem Ersten Weltkrieg endete das Brauen; ab 1927 arbeitete die Möbelfabrik Beck in den Räumen. Seit 1988 sind die Brauereigebäude das Kulturzentrum Sudhaus; der alte Gasthof wurde 2007 abgerissen.

Bild: Farbpostkarte „Waldhörnle Tübingen“, Gebr. Metz, 1903 (gemeinfrei)

Das Bläsibad heuteheute

Bläsibad

Das alte Heilbad auf Derendinger Markung ist seit dem 15. Jahrhundert belegt; das heutige Haus stammt von 1833.

Historischer Kupferstich: das Bläsibad am Waldrand mit Spaziergängern, 18221822

Seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wird das Bläsibad als Heilbad erwähnt; der Tübinger Botaniker Leonhart Fuchs empfahl es bei Rheuma und Gicht. Eine Legende erzählt von einem Hirten, dessen Schaf hier genas – daher der Name nach dem heiligen Blasius.

1831 brannte die Badeanstalt ab; den Neubau von 1833 errichtete Johann Georg Rupp. Die bei Studenten beliebte Wirtschaft ging um 1870 ein, von 1911 bis 1924 war hier ein Ferienheim für Mädchen. Seit 1951 gehört das Gut der Stadt Tübingen; das Anwesen ist Kulturdenkmal.

Bild: Kupferstich „Das Bläsibad bei Tübingen“, Georg Adam, 1822 (gemeinfrei) – vor dem Brand von 1831.

Bahnsteig des Haltepunkts Tübingen-Derendingen mit einfahrendem Regionalzug2024

Bahn und Wandel

Seit 1869 führt die Bahn durch Derendingen, seit 1896 hält sie hier – auf der Strecke von Tübingen nach Hechingen und Sigmaringen.

Historische Postkarte: Blick vom Bahnhaltepunkt über die Dächer Derendingens, vorn links das Bahnwärterhäuschen, um 1903um 1903

Die Hohenzollernbahn Tübingen–Hechingen wurde am 29. Juni 1869 eröffnet und 1878 bis Sigmaringen verlängert. Einen eigenen Halt bekam Derendingen erst 1896; das „Bähnhöfle“ war ursprünglich ein Schrankenwärterhaus, 1898/99 kam ein Güterschuppen hinzu.

Die Gleise trennen den alten Ortskern vom „neuen Derendingen“; der beschrankte Übergang an der Sieben-Höfe-Straße prägt das Ortsbild bis heute. 1911 beantragte die Fabrik Wurster & Seiler ein eigenes Anschlussgleis. Das Bähnhöfle wurde 2012 abgerissen und 2013/14 durch einen Neubau ersetzt.

Bild: Postkarte „Derendingen“ (Blick vom Bahnhaltepunkt), J. Hansis/Gebr. Metz, um 1903 (gemeinfrei) – vorn links das Wärterhäuschen am Gleis.

Rathaus Derendingenheute

Rathaus

Das 1906/07 erbaute Rathaus mit drei verschiedenen Giebeln rückte die Ortsmitte an den Bahnübergang.

Historische Postkarte: Blick vom Rathaus über den Bahnübergang nach Tübingen, 19061906

Das Rathaus entstand 1906/07 nach Plänen des Oberamtsbaumeisters Ernst Schinle; das alte Rathaus verkaufte die Gemeinde. Mit dem Neubau am Bahnübergang verschob sich die Mitte des Straßendorfs zum Haltepunkt.

Drei verschieden gestaltete Giebel, ein Glockentürmchen, ein Rundbogenportal mit dem Derendinger Wappen im Schlussstein und ein Eckerker machen es zu einem frühen Bau des Heimatschutzstils und zum Kulturdenkmal. Nach der Eingemeindung 1934 blieb hier eine Geschäftsstelle; die alten Gemeindeakten lagen bis 1955 auf dem Dachboden. Heute sitzt hier das Bürgerbüro.

Bild: Postkarte „Derendingen. Blick vom Rathaus gen Tübingen“, J. Hansis/Gebr. Metz, 1906 (gemeinfrei)

Gasthaus Hirsch in der Jurastraße, Derendingenheute

Gasthaus zum Hirsch

Seit 1903 Wirtshaus an der früheren Fabrikstraße beim Haltepunkt – und bis heute Dorfgasthaus.

Historische Postkarte: Fabrikstraße mit Gasthaus zum Hirsch und Kindern auf der Straße, 19071907

Der Hirsch an der heutigen Jurastraße besteht laut Stadtteilchronik seit 1903. Auf der Postkarte von 1907 heißt die Straße noch Fabrikstraße – nach den Fabriken östlich der Bahn. An der Hauswand stehen „Gasthaus zum Hirsch“ und ein Fleisch- und Wurstwarengeschäft; der Erker mit Spitzhelm fällt bis heute auf.

So lag der Hirsch zwischen Fabrikarbeitern, Bahnreisenden und Bauern. Noch heute treffen sich hier Stammtische, Sängerkranz und Musikverein; 2025 wurde er als „Vorbildliches Dorfgasthaus“ im Regierungsbezirk Tübingen ausgezeichnet.

Bild: Postkarte „Derendingen. Fabrikstraße mit Gasthaus zum Hirsch“, J. Hansis/Gebr. Metz, 1907 (gemeinfrei)

Das ehemalige Maschinenmagazin der Fabrik Wurster & Dietz während des Umbaus 20092009

Fabrik Wurster & Seiler

Ab 1874 wuchs aus einer Mühle am Mühlbach eine Fabrik für Sägewerksmaschinen. Erhalten ist nur das Maschinenmagazin.

Julius Wurster (1846–1921) aus Böblingen hatte 1867 in Altshausen eine mechanische Werkstatt gegründet. 1874 erwarb er in Derendingen eine Mühle und betrieb hier mit seinem Schwager Karl Seiler die „mechanische Werkstätte und Sägmühle“ Wurster & Seiler mit Wasser- und Dampfkraft; sie baute Gattersägen. 1899 trat sein Schwiegersohn Paul Dietz ein, 1911 kam eine Eisengießerei hinzu.

Seit 1916 hieß die Firma Wurster & Dietz. Die Fabrik zwischen Bahn und Mühlbach war lange einer der großen Arbeitgeber im Ort; ihr eigenes Dampfsägewerk lief bis 1990, 1997 ging die Firma in Esterer WD auf. Ab 2005 wichen die Fabrikgebäude dem Mühlenviertel.

Villa Wurster in Derendingenheute

Villa Wurster

Ein ausdrucksstarkes Beispiel des Heimatschutzstils und der großbürgerlichen Wohnkultur der Fabrikanten um 1900.

Die Villa entstand 1902 nach Entwurf des Tübinger Büros Staehle & Fischer für den Maschinenfabrikanten Wurster, nahe seiner Fabrik; später wird sie auch als Villa seines Schwiegersohns Paul Dietz genannt.

Der Fachwerkbau mit Walmdach, Zwerchhäusern, Zierfachwerk, Schnitzwerk und einer zweigeschossigen Halle mit Galerie gilt als frühes, ausdrucksstarkes Beispiel des Heimatschutzstils. Er zeigt die Wohnkultur des industriellen Großbürgertums, das mit der Fabrik in das Bauerndorf kam. Die Villa steht unter Denkmalschutz.

Familiennamen im 50-Jahres-Raster

Die folgende Übersicht ist aus dem Stammbaum der Familie Krapf (eigene Familienforschung) abgeleitet. Gezählt wurden ausschließlich Personen, die im jeweiligen 50-Jahres-Zeitraum in Derendingen geboren wurden; Totgeburten und Kinder, die vor dem 5. Geburtstag starben, sind herausgerechnet. Pro Zeitraum erscheinen die häufigsten Hauptnachnamen in absteigender Reihenfolge mit Geburtenzahl in Klammern. Das ist keine amtliche Bevölkerungsstatistik, aber ein genealogisches Fenster in die Familienlandschaft.

ZeitraumHäufige Familiennamen aus der StammbaumdateiEinordnung
1600-1649
7 Geburten
Krapf (3), Buck (1), Christ (1), NN (1), Witterlin (1)Frühe, noch dünn belegte Namen; Krapf ist bereits sichtbar.
1650-1699
119 Geburten
Buk/Buck (9), Mozer (9), Rehm/Röhm (8), Hämmerle (7), Krapf (7), Christ (6), Hagenlocher (6), Reiff (5)Das Dorfprofil wird dichter; mehrere spätere Hauptnamen treten hervor.
1700-1749
392 Geburten
Sigmund (36), Mozer (33), Rehm/Röhm (28), Buk/Buck (24), Christ (17), Reiff (17), Hagenlocher (14), Schweizer (14)Sigmund, Mozer, Buck und Röhm/Rehm prägen die Überlieferung stark.
1750-1799
517 Geburten
Mozer (51), Buk/Buck (25), Majer (21), Sigmund (19), Lauer (18), Friesch (14), Ott (14), Bauz (13)Vor der Moderne bleibt Mozer dominant; mehrere alte Derendinger Namen bleiben präsent.
1800-1849
742 Geburten
Laupp (36), Mozer (35), Härter (34), Braun (29), Reiff (25), Röhm (22), Rühle (19), Sigmund (19)Neue Häufungen treten nach vorne; dies ist auch die Zeit Johann Ludwig Krapfs.
1850-1899
513 Geburten
Röhm (59), Härter (41), Laupp (29), Rühle (20), Krapf (18), Mozer (18), Stengel (17), Braun (15)Röhm und Härter werden besonders stark; Auswanderungslinien nach Amerika sind in der Stammbaumdatei sichtbar.
1900-1949
101 Geburten
Röhm (17), Steinhilber (17), Härter (6), Krapf (6), Stoll (6), Laupp (5), Mozer (5), Rühle (5)Diese Auswertung ist noch vorläufig, weil die Stammbaumerstellung für Jahrgänge ab 1900 noch nicht abgeschlossen ist.

Auswanderungsspuren in der Stammbaumdatei führen unter anderem nach Iowa, Massachusetts, Ohio, Pennsylvania, New York, Russland und Podolien/Ukraine. Öffentlich berühmte Derendinger Auswanderer habe ich neben Johann Ludwig Krapf bisher nicht belastbar nachweisen können.

Menschen mit weiter Wirkung

Primus Truber

Primus Truber / Primož Trubar

Der slowenische Reformator und Begründer der slowenischen Schriftsprache wirkte lange als Pfarrer in Derendingen und starb hier 1586. Seine Bedeutung reicht weit nach Südosteuropa.

Johann Ludwig Krapf

Johann Ludwig Krapf

1810 in Derendingen geboren, wurde er Missionar, Sprachforscher und Afrikareisender. Er arbeitete in Äthiopien und Ostafrika und prägte die frühe europäische Kenntnis der Region.

Zeitstrahl

7. Jh.

Alamannische Spuren

Funde und frühe Kirchenspuren weisen deutlich vor die erste Urkunde zurück.

St.-Gallus-KircheKirchort mit sehr alten Wurzeln
1089

Erste urkundliche Erwähnung

Derendingen erscheint in der Zwiefalter Überlieferung; die Namensformen schwanken noch.

Wappen DerendingenWappen und Ortsgedächtnis
1342

Württemberg gewinnt Einfluss

Der pfalzgräfliche Besitz wird an Württemberg verkauft; daneben bleibt der Zwiefalter Anteil bestehen.

Zehntscheune in DerendingenZehnt und geteilte Herrschaft
1534-1586

Reformation und Truber

Württemberg führt die Reformation ein; Primus Truber wirkt in Derendingen und stirbt dort.

Primus TruberReformator mit europäischer Wirkung
1750

Politische Zusammenführung

Zwiefalten verkauft seine Derendinger Besitzungen an Württemberg; die konfessionelle Prägung bleibt spürbar.

BläsibadBläsibad als Denkmal- und Landschaftsort
1810

Geburt Johann Ludwig Krapfs

Aus Derendingen führt sein Weg nach Basel, Äthiopien und Ostafrika.

Johann Ludwig KrapfMissionar und Sprachforscher
1869

Bahnanschluss

Mit der Hohenzollernbahn wird Derendingen Teil einer modernen Verkehrsachse.

Bahnwärterhaus SteinlachwasenBahnwärterhaus als Eisenbahnzeugnis
1877

Derendingia

Im Gasthof Lamm entsteht die Verbindung Derendingia, deren Name den Ort in studentische Netzwerke trägt.

Gasthaus Zum OchsenWirtshaus- und Vereinsleben
1934

Eingemeindung nach Tübingen

Derendingen wird Stadtteil Tübingens, bleibt aber mit Ortsbeirat und eigener Identität präsent.

Rathaus DerendingenKommunale Mitte vor der Eingemeindung
1944

Luftangriff

Derendingen wird nur vergleichsweise gering zerstört, die St.-Gallus-Kirche aber schwer beschädigt.

St.-Gallus-KircheBeschädigt und wiederhergestellt
1980-1983

Renovierung und Bildung

St. Gallus wird renoviert; auf dem Feuerhägle entsteht das spätere Carlo-Schmid-Gymnasium.

Schulzentrum FeuerhägleNachkriegsmoderne am Feuerhägle
2025

Lebendiger Stadtteil

Derendingen zählt 7514 Einwohner und verbindet historische Ortsmitte, Vereine, Schulen, Bahn und neue Wohngebiete.

Laufbrunnen Im KäppeleAlltagsgeschichte im Ortsbild

Auswanderungen

Viele Derendinger Familien haben ihr Dorf verlassen, die meisten Richtung Nordamerika, mit einem Höhepunkt um 1850 und weiteren Wellen bis 1900. Schon kurz nach 1800 zogen mehrere Familien nach Osten ins Russische Reich, nach Podolien und später Bessarabien (heute Ukraine und Moldau), um 1846 einige nach Siebenbürgen.

Die Karte zeigt, was unser Stammbaum dazu festhält: Die Jahreszahl ist das Auswanderungsjahr, wo es überliefert ist, sonst der früheste Nachweis im neuen Land („spätestens“). Schiffsnamen sind im Stammbaum nicht verzeichnet.

Die interaktive Weltkarte und die Namensliste werden mit JavaScript geladen. Alle Personen lassen sich auch direkt im Stammbaum-Viewer finden.

Quellen und Bildnachweise